Wir waren vier Wochen in Folge auf Tour und haben dabei neun Events veranstaltet. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass speziell die damit verbundenen Reisestrapazen und die wirklich langen Veranstaltungstage sowohl von den Wrestlern als auch von uns vom Team einiges abverlangt haben. Spätestens nach dem 16 Carat grassierte die übliche Frühjahrsgrippe (von vielen auch „Carat-Grippe“ genannt) in unseren Kreisen und bis zum nächsten Wochenende war das Team platt.

Absolute Andy kam in Frankfurt an und konnte kaum ein Wort reden. Nach zwei Minuten im Match lag er am Boden und hat schwer geatmet. Ich bin daraufhin auf Andy zugegangen und habe ihm angeboten, den nächsten Tag in England auszusetzen, um sich nicht vor der kommenden Arbeitswoche völlig zu zerstören. Die komplette Veranstaltung über hat er backstage gesessen und sich Gedanken gemacht, sich aber nicht zu einer Absage durchringen können, da das nicht sein Stil sei.

Nach der Veranstaltung habe ich mich mit ihm zusammengesetzt, ihm den Ablauf der nächsten 36 Stunden geschildert und ihn gefragt, was in seinem normalen Beruf die Woche ansteht. Daraufhin habe ich ihm ein Hotelzimmer organisiert und ihn nach Hause geschickt. Ich habe Felix (der ebenso wie Jörg diese Veranstaltungen ausgesetzt hat, da beide auch am Ende waren) angerufen und er hat Fühler nach England ausgestreckt, um einen Ersatzgegner für Sasa Keel anzufragen.

Wir anderen haben das Set in der Batschkapp in Rekordzeit abgebaut und sind dann mit vier Autos auf die Autobahn gefahren. In den nächsten sechs Stunden waren 550km zu bewältigen, viele Kaugummis zu kauen und möglichst gesundheitsschädigend zu essen, um rechtzeitig zum Check-in bei der Fähre in Dünkirchen anzukommen. Solltet ihr einmal nachts dort sein, dann möchte ich euch unbedingt die „Resident Evil“-Experience des bis auf Schlafende komplett verlassenen zweistöckigen Wartesaals mit allen Spielautomaten der 80er Jahre empfehlen. Zwei Stunden später, die zumindest ein Teil von uns in irgendwelchen Ecken schlafend verbracht hat, sind wir auf englischem Boden angekommen und haben uns übermüdet durch den Linksverkehr bis Tonbridge durchgeschlagen.

Dort wurde ein Frühstück gesucht und jeder verbrachte die folgenden Stunden auf seine Weise: Restaurants, Bäckereien, Supermärkte, Autos … eben bis wir um 12 Uhr in die Halle kamen und uns auf den Veranstaltungsstart auf 14:30 Uhr vorbereiten konnten. Als einzig anwesendes Office-Mitglied und als einzig anwesender Referee war das für mich persönlich eine leicht stressige Nummer, wie sich sicherlich jeder vorstellen kann.

Eine ganze Reihe unserer Wrestler war am Abend auch noch bei der IPW:UK Veranstaltung aktiv, so dass nachher eine Horde von deutschen und holländischen Zombies im Angel Center herumgeschlichen ist. Es ist wirklich vielsagend, dass mit Axel Tischer, Hot and Spicy, Dennis und mir selbst unsere absoluten Party Animals dankend die von den Engländern angebotene After-Show-Party absagen, um zumindest einige wenige Stunden Schlaf zu bekommen ehe es an die Rückreise geht…

Wochenenden on the road möchte keiner von uns missen. Sie sind ein Ausdruck der Kameradschaft unter den Wrestlern und Wrestlingbegeisterten, sie sind Highlights in unseren Leben – aber sie verlangen auch jedem viel ab, sie sind anstrengend und sie gehen weit über das hinaus, was jeder von uns für einen normalen Job zu tun bereit wäre.

Morgen früh starten wir wieder. Ich persönlich beginne meine Reise um 6 Uhr und habe rund siebeneinhalb Stunden Bus- und Bahnreisen vor mir, um nach Gotha zu gelangen. Freitag, Samstag und Sonntag sind wir aktiv und jede Veranstaltung bedeutet eine Reise von 400km zwischen den Spielorten. Trotzdem – und da bin ich mir sicher – freut sich jeder von uns darauf. Wir lieben Pro Wrestling und wir möchten es gerne zu euch bringen und mit euch nach vorne bringen.

An diesem Wochenende werde ich einen kleinen Beta Test durchführen. Added uns unter wXwGermany bei Snapchat und ihr könnt dieses Wochenende eine Tour mit uns mitmachen und das ein oder andere Erlebnis mit uns teilen – natürlich nur für 24 Stunden, danach verschwinden diese Bilder und Videos.

Ob ihr vor Ort dabei seid, vor dem Rechner unseren Liveticker verfolgt, uns auf Social Media folgt, bei Snapchat die „Backstage-Tour“ mitmacht, Ergebnisse lest, später die Events bei wXw on Demand seht: Viel Spaß mit Westside Xtreme Wrestling, vielen Dank für eure Unterstützung und die Möglichkeit, dass so viele Menschen ihren Traum leben können.

– Tassilo Jung

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