Liebe Fans,

die letzte Meile dieser Tour steht vor uns, und sie bringt uns zum Tourfinale, dem Shortcut to the Top-Event am Samstag in der Turbinenhalle Oberhausen. Auf dem Weg hierhin haben wir im ersten Halbjahr 2015 bisher 29 Veranstaltungen absolviert, die Show zum Tourabschluss macht die Zahl rund – 30 Events.

Ich schreibe diese sehr persönlichen Zeilen in einem Zustand geistiger Leere, weil ich teils staunend, teils schockiert auf die vergangenen Monate zurückblicke. Ich bin kein Freund von großem Pathos, dennoch möchte ich – insbesondere um die Leistung unseres Kaders und unserer Mitarbeiter zu honorieren – darstellen, was für ein unglaublicher Kraftakt wXw in diesem Jahr ist. Die Zeiten der naiven Freizeitveranstalter sind vorbei, unsere Events sind nicht mehr einfach nur das Get-Together von ein paar Freunden, die sich auf dem Rücken und der Gesundheit von ein paar Wrestlern ihr Freizeitvergnügen selber auf die Beine stellen und dabei zahlendem Publikum ihre teilweise haarsträubenden Ideen zumuten. wXw 2015 arbeitet hart, und damit meine ich wirklich knochenhart daran für all‘ diejenigen, die ihre Zeit, ihre Energie, ihre Leidenschaft und ihr Herz in diese Promotion investiert haben, eine Erwerbsperspektive zu schaffen.

Die Tatsache, dass dies nach 15 Jahren wXw wirklich möglich ist bzw. noch für viele weitere Menschen möglich scheint, ist unglaublich, es ist eine Triebfeder und zugleich eine unglaubliche Belastung. Wo Energie ist, ist zwangsläufig irgendwann Müdigkeit, und auch wenn man diese mit Willen und Entschlossenheit bekämpfen kann, bricht sie irgendwann durch. Viele unserer zentralen Mitarbeiter und auch ich haben einige der Events in diesem Jahr wie angeschlagene Boxer nur halb mitbekommen und konnten sich teilweise gar nicht mehr auf den Moment einlassen. Der Tribut, der diese Tour uns allen gezollt hat, hat manchmal fast die ungemein schönen Seiten dieses Geschenks, das wir leben dürfen, vergessen lassen.

Denn ja, unter diesen unglaublich anstrengenden letzten Monaten liegt eine unglaubliche Schönheit, eine unglaubliche Harmonie, eine Liebe, wie ich sie in diesem Kontext nie für möglich gehalten hätte. Zum einen wäre da der Zusammenhalt im Team. In unserer Mannschaft sind über die Jahre ungemein viele Freundschaften zwischen verschiedensten Menschen entstanden. Der Lifestyle, den wir für uns (und damit auch für unsere Angehörigen) gewählt haben, ist aufreibend und für einen Menschen mit „normalem“ Beruf oder Hobby nicht nachvollziehbar. Wie oft ich in diesem Jahr gesehen habe, dass sich unterschiedlichste Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen auch abseits der Events umeinander gekümmert haben, kann ich nicht mehr zählen. Der tiefe Zusammenhalt zwischen den Menschen, die Wrestling in Deutschland voranbringen wollen offeriert uns allen nicht nur den gegenseitigen Drive, sondern auch den Rückhalt und die Wärme, die getriebene Menschen brauchen.

Auf der anderen Seite stehen die extrem schönen Momente, die wir auf der Tour mit den Fans von wXw genießen durften. Jedes „wXw“, jedes „This is Awesome“, „This is Wrestling“, „16 Carat“, jedes Gespräch nach Events, jede Rückmeldung in Foren und bei Social Media geben uns positive Bestätigung für das, was wir mit unserem Leben tun. Es ist teilweise wirklich berührend, wie sehr euch das bewegt, was wir tun und wie sehr ihr versucht, uns auf verschiedenste Weisen zu unterstützen.

Vielleicht liest sich dieser Text viel zu melancholisch oder niedergeschlagen, aber ich bin weder das Eine, noch das Andere. Die wenigsten Menschen können das tun, was sie wirklich wollen. Aus eigener Erfahrung sage ich: Es gibt nichts Schöneres als das tun zu müssen, was man will. Die Mannschaft von wXw lebt ein unglaubliches Leben in unglaublicher Freiheit – und wenn der Preis des Lebens, das man sich wünscht ist, dass es anstrengend ist, kann ich damit gut leben.

Am Samstag holen wir die letzten Energiereserven heraus, um euch zum Abschluss der Tour den besten Event der ersten Jahreshälfte zu bieten. Dafür treten wir an, daran lassen wir uns messen. Ich persönlich werde das in dem Bewusstsein tun, unglaublich tief in der Schuld von sehr vielen Menschen zu stehen, die mich trotz meiner Fehler und Macken in diesem verrückten Pursuit unterstützen – meiner Mannschaft und unseren Fans.

Danke.
CMJ

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